Stundenplan



Exemplarischer Stundenplan einer Klasse mit 8 Schülern an unserer Schule



Die einzelnen Schüler einer Klasse haben  einen sehr individuellen Bildungs- und Erziehungsbedarf. Je nach Unterrichtsinhalt werden die Schüler als Klasse, in kleinen Lerngruppen oder einzeln unterrichtet.
In jeder Klasse arbeitet ein Team aus Fachleuten, bestehend aus:
·        Sonderschullehrer/in
·        Fachlehrer/in G
·        Fachlehrer/in K
·        Zivildienstleistenden
·        Kinderpflegerin oder Praktikant/in (nach Bedarf)

 

Morgenkreis
Meist beginnt ein Unterrichtstag mit einem kurzen Morgenkreis, an dem alle Schüler und die jeweiligen Mitarbeiter eines Klassenteams teilnehmen. Der Morgenkreis hat im Wesentlichen folgende Inhalte: Begrüßung, gegenseitiges Wahrnehmen, Erzählen von Erlebnissen (auch mit Kommunikationshilfen), Besprechen des Stundenplans und Planung des Tagesablaufs.
Danach folgt der im Stundenplan vorgesehene Unterricht.


Deutsch/Mathe (Kulturtechniken-KT)
Das Erlernen der  Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) erfolgt je nach den  individuellen Voraussetzungen der Schüler nach dem Bildungsplan der Grundschule, der Förderschule oder der Schule für Geistigbehinderte. Dabei ist an unserer Schule ein wesentliches Unterrichtsprinzip das Lernen durch Bewegung.
Der handelnde Umgang mit Dingen und abwechslungsreiche Aufgabenstellungen unterstützen das Erlernen des Lesen und Schreibens und den Erwerb rechnerischen Denkens.
Auch der Computer als wichtiges Lern- und Arbeitsmedium kommt zum Einsatz (vgl.: „Computer“).

Alle Schüler, die in irgendeiner Form mit Zahlen und Buchstaben umgehen können, werden in diesem Bereich gefördert oder durch Unterrichtsinhalte aus dem pränumerischen (vorzahligen) Bereich auf das Erlernen von Zahlen und Buchstaben vorbereitet. Selbst wenn sinnentnehmendes Lesen oder die Lösung von Rechenaufgaben nicht immer in vollem Umfang realisierbare Lernziele sind, so kann  schon der Erwerb von grundlegenden Fertigkeiten wie das Erkennen und Benennen von Buchstaben und Zahlen eine Erweiterung der Selbständigkeit und Handlungskompetenz für die Schüler bedeuten.


MeNuK (Mensch, Natur und Kultur)/Umwelterfahrung
In diesem Unterricht werden Sachthemen ganzheitlich umgesetzt. Die Wahl der Themen erfolgt nach den  jeweiligen Bildungsplänen und dem individuellen Entwicklungsbedarf der Schüler. Von besonderer Bedeutung sind auch jahreszeitliche Themen und Feste und Natur und Umwelt. Für jeden einzelnen Schüler wird je nach seinen Möglichkeiten ein Zugang zum Thema geschaffen. Die Aneignungsstufen reichen  von basalen Erfahrungen bis hin zu abstrakt-begrifflichen Aneignungsmöglichkeiten von Lerninhalten.


Kochen/Einkaufen
In jeder Klasse steht Kochen auf dem Stundenplan. Alle Schüler sind begeistert bei der Sache, wenn es darum geht, das Frühstück oder auch das Mittagessen selbst zubereiten zu können. Sie erwerben auf unterschiedlicher Ebene Fähigkeiten, mit Nahrungsmitteln umzugehen, diese  kennen zu lernen und zu verarbeiten. Die Schüler erlangen  wichtige  Handlungskompetenzen im Hinblick auf eine selbständige Lebensführung.
Der Kochunterricht eignet sich besonders gut, Lerninhalte handlungsorientiert, fächerübergreifend und anschaulich zu vermitteln: Einkaufzettel schreiben, einkaufen, Rezepte lesen, abmessen, wiegen, zahlen, riechen und schmecken, fühlen und verarbeiten.


Schwimmen
Jeder Schüler unserer Schule geht einmal in der Woche „schwimmen“. Auch in diesem Unterricht gibt es für jeden Schüler individuelle Förderschwerpunkte.

Schüler mit schwerer Behinderung gehen  im schuleignen Therapiebad schwimmen. Bei einer Wassertemperatur von 31 Grad kann sich die oft verkrampfte Muskulatur entspannen und die Schüler können Bewegungen ausführen, die ihnen außerhalb des Wassers nicht möglich sind.
Andere Schüler gehen ins öffentliche Offenburger Hallenbad. Ganz nach ihren Möglichkeiten machen sie Wasserspiele aller Art, lernen tauchen oder schwimmen.
Der Einsatz verschiedener Materialien ermöglicht es auch ängstlichen oder körperlich eingeschränkten Kindern, sich im Wasser wohl zu fühlen und sich dort sicher zu bewegen.


Chefstunde
Seit einigen Jahren gibt es die Chefstunde an unserer Schule. Schüler aus verschiedenen Klassen treffen sich einmal in der Woche im Foyer, um ihre Fähigkeiten in den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen über „Bewegtes Lernen“ zu festigen und zu erweitern. Durch eine kindzentrierte und handlungsorientierte Vorstrukturierung des Raumes werden die Schüler angeregt, selbständig und eigenverantwortlich zu arbeiten. Somit ist eine hohe Lernmotivation gegeben und pädagogische und kognitive Lernziele lassen sich mit therapeutischen Zielen  gut verbinden.


Unterstützte Kommunikation (UK)
Jeder Mensch braucht Kommunikation. Einige unserer Schüler verfügen über wenig, schwer verständliche oder keine Lautsprache. Ein wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit ist es daher, die Kommunikationsfähigkeiten dieser Schüler zu verbessern. Gemeinsam mit den Eltern planen und erproben wir den Einsatz von unterschiedlichen Hilfsmitteln zur Kommunikation, wie z.B. Bildtafeln, Gebärden und elektronischen Sprechgeräten. So können auch nicht sprechende Kinder von Erlebnissen berichten, Gefühle mitteilen, Wünsche äußern und den Alltag mitbestimmen und mitgestalten.


Computer
Der Computer ist für viele Schüler ein sehr attraktives Lern- und Arbeitsmedium. Deshalb verfügt jede Klasse über einen eigenen Computer und Drucker. Mit verschiedenen Hilfsmitteln, wie Spezialtastaturen, Spezialmäusen oder Tastern können die Computer so eingerichtet werden, dass sie auch  Schüler mit komplexen motorischen Beeinträchtigungen bedienen können. Die Lernsoftware kann ebenfalls individuell an die Lernvoraussetzungen der Schüler angepasst werden. So wird Schülern auf unterschiedlichen Entwicklungsniveaus ein Zugang zum Medium Computer ermöglicht. Dabei reicht das Spektrum von multimedialen Bilderbüchern über einfache Lernspiele bis hin zu differenzierten Lernprogrammen in Mathematik und Deutsch.


Basale Angebote/Körperarbeit
Zum einen hat unsere Schule den Anspruch, basale Wahrnehmungs- und Bewegungsangebote für Schüler mit schwerer Behinderung integriert in den gesamten Schulalltag anzubieten (vgl.: Kochen, MeNuK). Zum anderen gibt es auch die intensive Förderung dieser Schüler in homogenen Kleingruppen.
Durch vielfältige sensorische Angebote lernen die Schüler, sich selbst, ihren Körper wahrzunehmen und elementare Beziehungen zur sozialen und materialen Umwelt aufzunehmen.
Eine besondere Form dieser basalen und sensomotorischen Förderung ist die Körperarbeit. Hintergrund ist die Feldenkrais-Methode. Wesentliche Grundgedanken der elementaren Körperarbeit sind: Achtsamkeit, geringfügige Impulse geben, sich auf das Entwicklungstempo des Kindes einlassen und Bewusstheit im eigenen Bewegungshandeln vertiefen.


Religion
Ein fester Bestandteil des Stundenplans ist für jeden Schüler die wöchentliche Doppelstunde im Fach Religion.
Mit Zustimmung der Eltern nehmen auch Schüler anderer Religionen am Religionsunterricht teil und sind dort herzlich willkommen.
Der Unterricht findet im Klassenverband statt und vermittelt grundlegende christliche Inhalte und Werte. Dabei spielt das gemeinsame Feiern und Erleben eine wichtige Rolle.  Feste wie Erntedank, das Martinsfest oder Adventsfeiern werden mit der ganzen Schulgemeinschaft gefeiert.

Projekte
An unserer Schule gibt es immer wieder klasseninterne Projekte, deren Betreuung die einzelnen Klassenlehrer übernehmen. In diesem Jahr gibt es die Projekte „Wald“ und „Stadt“.
Im Projekt Wald gehen die Schüler jede Woche für einen Vormittag in den Wald und erleben die Natur zu den verschiedenen  Jahreszeiten und bei unterschiedlichen Witterungsverhältnissen. Aufgrund der oftmals eingeschränkten Erfahrungsmöglichkeiten unserer Schüler ist es wichtig, ihnen den Lebensraum Wald zu erschließen. Sie lernen, sich auf unebenem Gelände zu bewegen, sammeln Holz, schnitzen Stöcke, machen Lagerfeuer, fühlen und riechen den Duft von Holz und Kräutern, lernen Bäume und Pflanzen kennen und bestimmen und …. haben viel Spaß.
Im Stadtprojekt fährt eine Klasse regelmäßig für einen Vormittag mit den Linienbussen in die Offenburger Innenstadt. Die Schüler lernen Straßen, Plätze, den Markt und Geschäften kennen; aber auch öffentliche Einrichtungen wie Museen oder die Polizei. Fotosuchspiele sind sehr beliebt und die Schüler üben die Orientierung in der Innenstadt. Beim Einkaufen lernen die Schüler Umgangsformen in der Öffentlichkeit, den Umgang mit Geld, die Orientierung in verschiedenen Kaufhäusern, und sie haben vielfältige Leseanlässe.



AGs
Für viele körperbehinderte Schüler ist die Schule nach dem Elternhaus der wichtigste Lebens- und Erfahrungsraum. Die Schule für Körperbehinderte ist unter anderem deshalb als Ganztagesschule ausgebaut. Arbeitsgemeinschaften (AGs)  bieten viele Möglichkeiten. In diesem Schuljahr gibt es u.a. die Theater-AG und die Trampolin-AG.

Jede Woche treffen sich 10 Schüler in der Theater-AG. In Anlehnung an eine einfache Theaterspielform („Jeu Dramatique“) kommen die Schüler mit einfachen Hilfsmitteln und Requisiten wie Tücher in eine Spielhandlung. Wichtiges Anliegen dabei ist: Keiner darf ausgelacht werden und jeder erfährt Wertschätzung. Zum Schuljahresende trägt die Theater-AG mit einer Aufführung zum Schulfest bei.

Die Trampolin-AG besteht aus einer Gruppe von 7 Schülern. Die Schule hat auf dem Schulhof ein eigenes, in den Boden eingelassenes Trampolin. Dies ist für alle Schüler gut zugänglich und stellt auch für Rollstuhlfahrer kein Hindernis dar.  Das Trampolinspringen, das mit einer Vielzahl an Materialien wie Seile, Reifen, Bälle abwechslungsreich gestaltet wird, fördert die Qualität der Bewegungsausführungen, die Koordination und Ausdauer der Schüler. Es stärkt das Selbstvertrauen und macht vor allem viel Spaß.


Frühstück/Mittagessen
Das gemeinsame Essen  der Schüler einer Klasse ist wichtiger Teil des Alltagsgeschehens in unserer Schule. Das Frühstück bringen die Schüler von zu Hause mit, das Mittagessen wird in der schuleigenen Küche gekocht.

Die Mahlzeiten sind nicht nur Nahrungsaufnahme. Sie sind wichtig für das gemeinsame Erleben und für die Schüler ein zentrales Lernfeld in vielerlei Hinsicht. Dabei ist die Hinführung zur größtmöglichsten Selbständigkeit das gemeinsame Ziel.

Für die einen Schüler bedeutet dies, dass sie eine Vielzahl an Aufgaben übernehmen: das Decken des Tisches, das Essen holen in der Küche, das Verteilen und Schöpfen des Essens.
Für eine große Anzahl der Schüler ist es wichtig, dass sie –unterstützt durch individuelle Hilfsmittel wie rutschfeste Unterlagen, Tellerrand, verdickte Bestecke- bei der Nahrungsaufnahme möglichst selbständig sind.
Für einige Schüler ist die gesamte Nahrungsaufnahme erschwert durch Störungen des Kauapparates, des Mundschlusses, des Schluck- und Beißreflexes. Für diese Schüler brauchen individuelle esstherapeutische Unterstützung und Begleitung.

Nach dem Mittagessen folgt für die Schüler eine 45 minütige Hofpause. Besonderes Anliegen bei der Pausengestaltung ist es, den Schülern attraktive Bewegungsanreize zu bieten.